Mit 68 Jahren von Selbstverteidigung hören, denken viele: «Das ist nichts für mich.» Zu alt, nicht mehr beweglich genug, das Knie macht bei der Treppe schon Probleme. Und ausserdem — was soll man da schon ausrichten?
Die Antwort überrascht viele: mehr als man denkt. Und das, was man ausrichten kann, hat weniger mit Körperkraft zu tun als mit etwas, das in jedem Alter vorhanden ist: Aufmerksamkeit, Klarheit und die Bereitschaft zu handeln.
Jean-Pierre Schmid unterrichtet seit 1998 Menschen von 9 bis 99. Selbstverteidigung für Senioren ist dabei kein Anhang, kein vereinfachtes Programm — es ist ein eigener Ansatz, der auf der Realität älterer Menschen aufbaut.
Was sich mit dem Alter verändert — und was nicht
Mit 60, 70 oder 80 verändert sich manches: Reaktionszeit, Kraft, Beweglichkeit. Das ist normal und kein Manko. Selbstverteidigung, die das ignoriert, wäre für ältere Menschen nutzlos.
Was sich nicht verändert: die Fähigkeit, Situationen wahrzunehmen. Die Fähigkeit, Grenzen zu setzen. Die Fähigkeit, eine klare Aussage zu machen. Die Fähigkeit, sich zu orientieren und vorausschauend zu handeln. Selbstverteidigung Senioren setzt genau hier an — nicht bei dem, was nicht mehr geht, sondern bei dem, was voll da ist.
Aufmerksamkeit schützt in jedem Alter
Der wirksamste Schutz setzt früh ein — lange bevor eine Situation eskaliert. Wer aufmerksam ist, erkennt rechtzeitig, wenn sich etwas verändert. Ein Blick, eine Annäherung, ein Bauchgefühl, das sagt: Hier stimmt etwas nicht.
Diese Aufmerksamkeit zu schulen ist möglich — und notwendig. Nicht im Sinne von Misstrauen oder Angst, sondern im Sinne von Präsenz. Wer präsent ist, ist nicht leicht zu überrumpeln. Und nicht überrumpelt zu werden ist in vielen Situationen das Entscheidende — unabhängig vom Alter.
Einfache Handgriffe, grosse Wirkung
Nicht jede Situation lässt sich durch Sprache oder Aufmerksamkeit lösen. Manchmal braucht es körperliche Reaktionen. Für ältere Menschen sind diese Reaktionen nicht dieselben wie für Jüngere — aber sie existieren, und sie wirken.
Was im Kurs geübt wird, sind keine komplexen Techniken, die jahrelanges Training erfordern. Es sind einfache, instinktive Bewegungen: Abstand schaffen, einen Griff lösen, sich drehen, Gleichgewicht zurückgewinnen. Alles ist so angelegt, dass es auch für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit zugänglich und sinnvoll ist.
Das Vertrauen in die eigene Reaktion aufbauen
Viele ältere Menschen sagen nicht: «Ich habe Angst.» Sie sagen: «Ich weiss nicht, was ich tun würde, wenn etwas passiert.» Das ist der entscheidende Punkt — nicht Angst, sondern Unsicherheit darüber, ob man reagieren kann.
Ein guter Kurs beantwortet genau diese Frage. Nicht mit Garantien, sondern mit Erfahrung: Man hat geübt. Man hat gespürt, wie sich eine klare Reaktion anfühlt. Man weiss, dass etwas kommt, wenn es gebraucht wird. Dieses Vertrauen ist kein Nebenprodukt — es ist das Ziel.
Jean-Pierre Schmid und die Spanne von 9 bis 99
Jean-Pierre Schmid hat in seinen Jahren als Trainer immer wieder erlebt: Ältere Menschen sind oft die aufmerksamsten Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer. Sie kommen nicht, um etwas zu beweisen. Sie kommen, weil sie etwas lernen wollen.
Das ist der beste Ausgangspunkt für jeden Lernprozess. Der Kurs ist auf die Bedürfnisse jeder Altersgruppe abgestimmt — ohne Wettkampf, ohne Leistungsdruck, ohne das Gefühl, jünger oder fitter sein zu müssen als man ist.
Wer sich fragt, ob er oder sie «zu alt» ist: nein. Selbstverteidigung Senioren ist möglich, sinnvoll und erreichbar. Wer vorbereitet ist, hat bessere Chancen — in jedem Alter.
Mehr dazu: Selbstverteidigung für Senioren
